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Michael Antis Blog / Die letzten beiden dort erschienen Artikel

Michael Antis Blog / Die letzten beiden dort erschienen Artikel published on Keine Kommentare zu Michael Antis Blog / Die letzten beiden dort erschienen Artikel

In China chinesischen Blogs gibt es inzwischen eine ganze Menge an Reaktionen auf die Löschung des Blogs von Zhao Jing (Michael Anti) durch MSN Spaces. Die Reaktionen sind, verständlicherweise, überwiegend negativ. Es macht aber auch ein Essay die Runde, in welchem die Meinung vertreten wird, daß man MSN Spaces dankbar dafür sein müsse, Zhaos Blog geopfert zu haben, weil die Alternative das Ende von MSN Spaces für chinesische Nutzer überhaupt und dies schlimmer gewesen wäre. Der Essay kommt zu dem Schluß, daß:


Das chinesische Volk sich auf einem anderen Rang befindet als alle anderen, nicht weil alle anderen auf uns herabsehen. Es liegt daran, daß Chinesen andere Chinesen herabwürdigen. Chinesen behandeln ihre eigenen Landsleute nicht wie Menschen.

(Meine Übersetzung nach der partiellen englischen Übersetzung bei Rebecca McKinnon.)

Es scheint leider noch keine vollständige Übersetzung des Textes ins Englische verfügbar zu sein, weshalb wir uns mit den Angaben von Rebecca McKinnon zufrieden geben müssen.
Dieser Essay scheint die Ausnahme zu sein; überwiegend wird MSN für den Vorfall stark kritisiert und angegriffen. So fordert beispielsweise Isaac Mao, selbst Blogger und Gründer des Hosting-Service Blogbus, Blogger dazu auf, MSN Spaces zu boykottieren und einen "Say no to MSN Spaces"-Button in ihre Blogs zu integrieren.

Die beiden letzten von Zhao veröffentlichten Artikel, welche offenbar der Anlaß dafür waren, sein Blog zu entfernen, finden sich hier und hier. Wir haben die Englischen Übersetzungen dieser Artikel ins Deutsche weiterübertragen:

Zhao Jing aka "Michael Anti" am 29.12. 2005

Heute ist der 29 Dezember. 2006 wird in zwei Tagen beginnen. Wir haben aber bereits die Peking-Nachrichten für ganz 2006 abonniert. Bevor wird aber überhaupt dazu gekommen sind, dieses Geschenk zu genießen, wurde das Produkt ausgetauscht. Die immerlügende "Guangming Daily" hat die Zeitung, für die wir mit unserem verdienten Lohn bezahlt haben, übernommen. Um die Wahrheit zu sagen: Ich würde lieber Scheiße fressen, als "Guangming Daily" oder irgendeinen ihrer Ableger zu kaufen.

Diese Kerle bei "Guangming" kümmern sich offensichtlich nicht um Leser wie uns. Sie behandeln uns wie angepaßte Leute und denken, daß sie uns füttern können mit welcher Scheiße sie auch wollen. Unglücklicherweise sind wir nicht blöd. Darum fordere ich all jene Leute, die uns nicht als Scheiße betrachten auf, die Nummer 6391000 der Peking-Nachrichten zu wählen und von ihnen zu verlangen, daß sie uns bedingungslos unsere gesamte Abonnementgebühr für nächstes Jahr zurückerstatten.

Wenn Sie als Organisation abonniert haben, dann sollten Sie bedenken, daß in der Welt der Wirtschaft jede Ausgabe im Hinblick auf Preis-Leistung getätigt wird, und daß Sie kein Geld für einen Haufen Scheiße ausgeben würden. Ich fordere Sie auf, die Angestellten in Ihrem Informationsbüro zu überzeugen, die 6319000 zu wählen und die bedingungslose Rückerstattung des Jahresbetrages zu fordern.

Wenn Sie Werbung geschaltet haben, dann bedenken Sie bitte Ihre wirtschaftlichen Verluste. Ihre im Voraus bezahlten Anzeigengebühren für die Peking-Nachrichten werden für einen "Guangming Daily"-Ableger ausgegeben. Ihr angenommener, anspruchsvoller Leser wäre verschwunden. Rufen Sie also bitte die 6319000 an und fordern Sie die Rückzahlung Ihrer Werbeverluste.

Wir sind keine Schweine, und wir werden uns nicht schlachten lassen. Wir können nicht zulassen, daß ihr unser Geld bekommt. Wenn es auch nur knapp mehr als 300 Yuan sind, fordern wir doch den vollen Service und was versprochen wurde. Wir werden jedes unehrliche Verhalten mutig zurückweisen.

Weiterhin bitten wir alle befreundeten Anwälte, den zu Opfern gewordenen Lesern dabei zu helfen, eine Sammelklage gegen "Guangming Daily" einzureichen, wenn wir unsere Zahlungen zurückfordern werden. Für diese Täuschungspraktiken verlangen wir nicht nur Kompensation, sondern auch vielfache Entschädigung.

Wir hoffen, daß all die Leser die es ablehnen, betrogen und beleidigt zu werden, diese Bekanntmachung weiterleiten, um andere wissen zu lassen, wie sie ihre Interessen wahren können und daß sie die 6319000 wählen sollten.

Dies ist keine große Sache. Es geht nicht einmal um die Peking-Nachrichten. Es geht darum, zu beweisen, daß wir keine Schweine sind, die von anderen geschlachtet werden können. Wenn die "Guangming"-Leute politische Spiele spielen wollen, dann ist uns das egal. Uns interessiert nur, ob wir den "Guangming"-Schrott für 2006 abonnieren sollen. Dies ist eine Marktwirtschaft, und wir wollen unsere Börsen schützen. Das ist unser natürliches Recht, wie es durch die Verfassung geschützt wird.

Zhao Jing aka "Michael Anti" 30.12. 2005

Heute wurden die Peking-Nachrichten wie gewöhnlich herausgebracht, 116 Seiten stark. Im Journalismus geht es nicht nur um Ideale, sondern auch darum, sein Brot zu verdienen. Ich habe kein Recht, irgendeinen gewöhnlichen Journalisten dafür anzuklagen, daß er die realistische Entscheidung trifft, aber ich kann zumindest den wenigen, welche sich für die Ideale des Journalismus entschieden haben, meine höchste Wertschätzung ausdrücken.

Ich habe das Gefühl, daß die heutige Ausgabe der Peking-Nachrichten es besonders verdient, aufgehoben zu werden. Man kann die Zeichen dieses großen Augenblicks in der Geschichte des Journalismus erkennen. Diese Ausgabe wird in die Geschichte der Pressefreiheit in China eingehen. Dann werden die exzellentesten Journalistikstudenten Chinas dies Ausgabe studieren.

Über zumindest einen Ausdruck des Idealismus können wir uns freuen: Weisheit. Bitte sehen Sie sich das Stadtphoto zum Wetter an. Die Adresse der Peking-Nachrichten ist Yongan Straße 106. Die Zeit: Gestern, 29. Dezember. Das Ereignis: Ein Leitvogel leitet die Gruppe durch den Himmel. Obwohl der Himmel nicht sehr klar war, strebten sie dennoch dem weit entfernten Ziel (in ihren) ihrer Herzen zu.

Ich wende mich jenen Freunden zu, die sich für den Realismus entschieden haben. Niemand wird euch Vorwürfe machen. Aber wir sind Reporter, und Reporter werden mündliche Geschichte und Überlieferung als ihre höchste Wahrheit nehmen. Unsere exzellenten Vorgänger bei den Peking-Nachrichten sind für dieses Ideal gestorben. Ihr habt den Realismus gewählt, aber ihr habt die Geschichte verpasst.

Persönliche Geschichten werden von Leuten selbst geschrieben. Viele Jahre später werden manche Leute sagen, daß sie an diesem Tag nicht aufgegeben haben. Andere Leute können nur wiederholt ausweichen, sie seien nicht dabei gewesen.

Es gibt viele Anstellungen, aber historische Ereignisse geschehen nur einmal alle paar Jahre. When die Idealisten reisen, werden sie auf dem ganzen Wege willkommen sein. Für die von Euch, welche den Realismus gewählt haben, gebt Acht, denn die Straße ist lang. Im Journalismus ist unser Ruf wichtiger als unsere Anstellung.

Postscriptum: Auf Indiskretion Ehrensache schrieb Thomas Knüwer heute unter dem Titel "Warum Manager nicht bloggen sollten" über Robert Scobles Reaktion auf die Löschung von Zhaos Blog durch MSN Spaces und die Zurechtweisung, die darauf offenbar folgte.

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