{"id":845,"date":"2010-11-10T17:18:36","date_gmt":"2010-11-10T16:18:36","guid":{"rendered":"http:\/\/mentalschnupfen.org\/?p=845"},"modified":"2010-11-25T06:41:57","modified_gmt":"2010-11-25T05:41:57","slug":"etwas-albernes-formallogisches-rumgezicke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mentalschnupfen.org\/?p=845","title":{"rendered":"Etwas albernes formallogisches Rumgezicke"},"content":{"rendered":"<p>Formeln machen seri\u00f6s. Betrachten wir darum einmal die folgende formalisierte Argumentation.<\/p>\n<p>\u2200x(Hx \u2192 Ux)<\/p>\n<p>\u00ac\u2203xHx \u2192 \u00acF<\/p>\n<div style=\"line-height: 1px; height: 1px; background-color: black; width: 75px;\"><\/div>\n<p>\u22a5<\/p>\n<p>\u22a5 steht f\u00fcr einen Widerspruch. Darum mu\u00df eine der Pr\u00e4missen falsch sein, und wir k\u00f6nnen also alleine aus der zweiten Pr\u00e4misse auf \u2203x(Hx \u2227 \u00acUx) schlie\u00dfen, was logisch \u00e4quivalent ist zu \u00ac\u2200x(Hx \u2192 Ux), also zur Negation der ersten Pr\u00e4misse. Es m\u00fc\u00dfte also gelten:<\/p>\n<p>\u00ac\u2203xHx \u2192 \u00acF<\/p>\n<div style=\"line-height: 1px; height: 1px; background-color: black; width: 75px;\"><\/div>\n<p>\u2203x(Hx \u2227 \u00acUx)<\/p>\n<p>Die Ung\u00fcltigkeit des Schlusses f\u00e4llt sofort ins Auge und man wird vermutlich denken: \"Was soll denn das, so argumentieren doch h\u00f6chstens Politiker.\" Man beh\u00e4lt auch recht, denn es handelt sich im Kern um die formalisierte Repr\u00e4sentation der folgenden Argumentation der Bufamimini Kristina Schr\u00f6der, wie Sie in einem aktuellen Spiegel-Gespr\u00e4ch zu lesen ist. <img src=\"http:\/\/mentalschnupfen.org\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/wordpress\/img\/trans.gif\" mce_src=\"http:\/\/mentalschnupfen.org\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/wordpress\/img\/trans.gif\" alt=\"\" class=\"mceWPmore mceItemNoResize\" title=\"More...\">Die zur Argumentation geh\u00f6rigen Teile sind von mir durch Kursivsetzung hervorgehoben.<\/p>\n<blockquote>\n<p><b>SPIEGEL:<\/b> Wie finden Sie Alice Schwarzer?<\/p>\n<p><b>Schr\u00f6der:<\/b> Ich habe viel von ihr gelesen - \"Der kleine Unterschied\", sp\u00e4ter dann  \"Der gro\u00dfe Unterschied\" und \"Die Antwort\". Diese B\u00fccher fand ich alle  sehr pointiert und lesenswert. Etliche Thesen gingen mir dann aber doch  zu weit: zum Beispiel, <i>dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum  m\u00f6glich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen:  Sorry, das ist falsch.<br \/><\/i><br \/><b>SPIEGEL:<\/b> Warum?<\/p>\n<p><b>Schr\u00f6der:<\/b> <i>Es ist absurd, wenn etwas, das f\u00fcr die Menschheit und deren Fortbestand  grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird. Das w\u00fcrde  bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht  fortbestehen k\u00f6nnte.<\/i> (...)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>[Zitat entnommen aus <a href=\"http:\/\/zettelsraum.blogspot.com\/2010\/11\/alice-schwarzer-vs-kristina-schroder.html\" mce_href=\"http:\/\/zettelsraum.blogspot.com\/2010\/11\/alice-schwarzer-vs-kristina-schroder.html\">Zettels Raum<\/a>]<\/p>\n<p>Ich habe in der Formalisierung Schwarzers These noch verst\u00e4rkt: Hx ist zu lesen als \"x ist heterosexueller Geschlechtsverkehr\", Ux als \"x beinhaltet die Unterwerfung der (oder einer) Frau\" und die Gesamtaussage lautet also: \"Es gibt keinen heterosexuellen Geschlechtsverkehr ohne die Unterwerfung der (oder einer) Frau\", w\u00e4hrend heterosexueller Geschlechtsverkehr ohne Unterwerfung der Frau laut Schwarzer lediglich <i>kaum m\u00f6glich<\/i>, nicht jedoch <i>unm\u00f6glich<\/i> ist. Die Schlu\u00dffolgerung der Argumentation, <i>es gibt heterosexuellen Geschlechtsverkehr ohne die Unterwerfung der Frau<\/i> w\u00e4re mit Schwarzers Position also sogar vertr\u00e4glich.<br \/>F ist zu lesen als \"die Menschheit besteht fort\". Schr\u00f6ders Argument gegen Schwarzers Position lautet dann \"Wenn es keinen heterosexuellen Geschlechtsverkehr gibt, besteht die Menschheit nicht fort.\"<\/p>\n<p>Letztere Aussage soll also begr\u00fcnden, da\u00df erstere absurd sei, denn <i>[e]s ist absurd, wenn etwas, das f\u00fcr die Menschheit und deren Fortbestand  grundlegend ist<\/i> <i>per se als Unterwerfung definiert wird.<\/i> (Wegen des Ausdrucks <i>definiert<\/i> mu\u00df man hier freilich etwas vorsichtig sein. Sollte Schwarzer, mit deren Argumentation ich nicht vertraut bin, tats\u00e4chlich aus dem lustleeren Raum heraus eine 'Definition' von heterosexuellem Geschlechtsverkehr als Unter<strike>dr\u00fcckung<\/strike>werfung der Frau aufgestellt und diese nicht weiter begr\u00fcndet haben, so w\u00e4re dies in der Tat recht merkw\u00fcrdig. Es w\u00e4re \u00e4hnlich absurd, wie das Betrachten von Sonnenaufg\u00e4ngen als Ursache der Bankenkrise zu definieren und infolgedessen Fr\u00fchaufsteher aufzukn\u00fcpfen. Ich weise hier also ausdr\u00fccklich darauf hin, da\u00df ich annehme, da\u00df Frau Schr\u00f6der etwas, das f\u00fcr Frau Schwarzer eher den Status eines Theorems hat als den einer Definition, f\u00e4lschlichwerweise als \"Definition\" bezeichnet. Die Merkw\u00fcrdigkeit der Schr\u00f6derschen 'Widerlegung' bliebe aber selbst dann bestehen, wenn wir es tats\u00e4chlich mit einer reinen 'Definition' zu tun h\u00e4tten.) Also: Heterosexueller Geschlechtsverkehr als etwas f\u00fcr den Fortbestand der Menschheit notwendiges soll keine Unter<strike>dr\u00fcckung<\/strike>werfung sein oder notwendig beinhalten k\u00f6nnen; zu behaupten, das sei der Fall, soll somit absurd sein.<\/p>\n<p>Das Fehlen jeglichen inhaltlichen Zusammenhangs zwischen Schwarzers These und dem, womit Schr\u00f6der diese <i>ad absurdum<\/i> zu f\u00fchren gedenkt ist offensichtlich, und mithilfe dieser Argumentationsfigur lie\u00dfe sich darum auch fast alles nachweisen. So l\u00e4\u00dft sich etwa leicht zeigen, da\u00df menschlicher Kot nicht stinkt. Denn es ist absurd, da\u00df die Produktion von Gestank f\u00fcr den Fortbestand der Menschheit notwenig sein soll.<\/p>\n<p>Um eine tats\u00e4chlich logisch g\u00fcltige Argumentation zu erhalten, w\u00e4re es n\u00f6tig, z.B.<\/p>\n<p>(\u00ac\u2203xHx \u2192 \u00acF) \u2192 \u2203x(Hx \u2227 \u00acUx)<\/p>\n<p>zu den Pr\u00e4missen hinzuzuf\u00fcgen, oder diese Aussage aus allgemeineren Annahmen herzuleiten. Die Annahme dieser Aussage erlaubt den direkten \u00dcbergang von der zweiten Pr\u00e4misse zur Verneinung der ersten. Also: Wenn die Nichtexistenz von heterosexuellem Geschlechtsverkehr impliziert, da\u00df die Menschheit nicht fortbesteht, dann mu\u00df es heterosexuellen Geschlechtsverkehr geben, der keine Unterwerfung der Frau beinhaltet. Wie stichhaltig diese Annahme ist, mag jede f\u00fcr sich selbst entscheiden. Meines Erachtens w\u00e4re es jedenfalls erfolgversprechender, Schwarzers These aus einer anderen Richtung anzugreifen.<\/p>\n<p>An alledem ist eigentlich nichts bemerkenswert. So argumentieren Politiker, und daf\u00fcr lieben wir sie, da sie uns damit aufzeigen, da\u00df es schlimmer um uns bestellt sein k\u00f6nnte. Mich wundert eigentlich nur, da\u00df f\u00fcr Zettel, aus <a href=\"http:\/\/zettelsraum.blogspot.com\/2010\/11\/alice-schwarzer-vs-kristina-schroder.html\" mce_href=\"http:\/\/zettelsraum.blogspot.com\/2010\/11\/alice-schwarzer-vs-kristina-schroder.html\">dessen Artikel<\/a> ich, wie geschrieben, das Zitat entnommen habe, Schr\u00f6ders Argumentation aus \"Selbstverst\u00e4ndlichkeiten\" besteht.<\/p>\n<p>[Nachtrag 18:31: In der Darstellung der Argumentation oben ist die erste Pr\u00e4misse \u00fcberfl\u00fcssig; es sollte urspr\u00fcnglich die (unm\u00f6gliche) Folgerung eines  Widerspruchs aus den ersten beiden Pr\u00e4missen symbolisiert werden, auf dessen Basis dann die erste Pr\u00e4misse verworfen worden w\u00e4re, doch ich  habe mich dann f\u00fcr eine andere Darstellung entschieden, was dazu f\u00fchrte, da\u00df die erste Pr\u00e4misse  im Schlu\u00df jetzt gar nicht mehr n\u00f6tig ist, die Schlu\u00dffolgerung also schon allein aus der ersten Pr\u00e4misse folgen sollte.<\/p>\n<p>Nachtrag 18:38: Ich habe die Unabh\u00e4ngigkeit des Schlusses von der Pr\u00e4misse jetzt durch Einklammerung derselben kenntlich gemacht.<\/p>\n<p>Nachtrag 18:55: Insgesamt fand ich es am sinnvollsten, doch die urspr\u00fcnglich geplante Darstellung anzuwenden.]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Formeln machen seri\u00f6s. Betrachten wir darum einmal die folgende formalisierte Argumentation. \u2200x(Hx \u2192 Ux) \u00ac\u2203xHx \u2192 \u00acF \u22a5 \u22a5 steht f\u00fcr einen Widerspruch. 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