{"id":396,"date":"2009-11-05T14:14:40","date_gmt":"2009-11-05T14:14:40","guid":{"rendered":""},"modified":"2016-02-07T10:26:18","modified_gmt":"2016-02-07T09:26:18","slug":"kurze-ausfuhrungen-zur-theorie-der-semantik-naturlicher-sprachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mentalschnupfen.org\/?p=396","title":{"rendered":"Kurze Ausf\u00fchrungen zur Theorie der Semantik nat\u00fcrlicher Sprachen"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel entstand urspr\u00fcnglich als Kommentar bei <a href=\"http:\/\/metalust.wordpress.com\/2009\/09\/29\/brandt-alias-frahm\/#comments\">Metalust & Subdiskurse Reloaded<\/a>. Daher etwas <i>medias in res<\/i>.<\/p>\n<p>Tarski selbst hat die Anwendbarkeit seiner Wahrheitstheorie auf die nat\u00fcrlichen Sprachen ja bestritten, weil er nat\u00fcrliche Sprachen sozusagen f\u00fcr in sich unrettbar inkonsistent hielt (so habe ich ihn da zumindest in Erinnerung), da sich in nat\u00fcrlichen Sprachen beispielsweise das L\u00fcgnerparadoxon formulieren l\u00e4\u00dft. Die entscheidende Trennung zwischen Objekt- und Metasprache hatte auch gerade dessen Vermeidung zum Ziel: Wenn ich verlange, da\u00df jede Aussage \u00fcber S\u00e4tze der Objektsprache, insbesondere Aussagen der Form \"S ist wahr\", nicht zur Objektsprache selbst geh\u00f6ren d\u00fcrfen, dann habe ich die Formulierung des L\u00fcgnerparadoxons erst einmal verhindert. Gewisserma\u00dfen ist das also ein ziemlich grober Trick, um sich um gewisse Dinge herumzudr\u00fccken. Andererseits hatte man danach zumindest f\u00fcr formale Kunstsprachen eine brauchbare Wahrheitsdefinition, und das war zumindest hinsichtlich der Grundlagenfragen in der Mathematik schon mal ganz nett.<br \/>\nDer Tarski-Sch\u00fcler Richard Montague hat dann in den Siebzigern seinen Abfall vom Lehrer ziemlich eindrucksvoll inszeniert, indem er verk\u00fcndete, er sehe zwischen formalen und nat\u00fcrlichen Sprachen keinen wesentlichen Unterschied und in drei Artikeln (<i>The Proper Treatment of Quantification in Ordinary English<\/i>, <i>English as a Formal Language<\/i> und <i>Universal Grammar<\/i> formale Analysen von Fragmenten des Englischen (in denen das L\u00fcgnerparadoxon auch nicht formulierbar ist) pr\u00e4sentierte, die es erlaubten, die Bedeutung (i.S.v. Wahrheitsbedingungen) einer recht eingeschr\u00e4nkten Reihe von S\u00e4tzen nicht nur formal zu explizieren, sondern auch ausgehend von den beteiligten W\u00f6rtern und der Satzstruktur zu berechnen. Eines der Hauptziele war dabei, bestehende Folgerungsbeziehungen zwischen nat\u00fcrlichsprachlichen S\u00e4tzen formal nachweisen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Analysen waren zwar nicht perfekt und beackerten wie gesagt noch einen sehr beschr\u00e4nkten Ph\u00e4nomenbereich, er\u00f6ffneten aber neue Perspektiven und markieren den eigentlichen Startschu\u00df f\u00fcr die Entwicklung der Wissenschaft von der Semantik nat\u00fcrlicher Sprachen. In wesentlichen Teilen ist das aber der Versuch, das in \"\u00dcber Sinn und Bedeutung\" angedeutete Programm durchzuf\u00fchren. Die Hauptaufgabe ist dabei m.E. noch immer die Kl\u00e4rung der Frage, wie sich die Wahrheitsbedingungen von S\u00e4tzen aufgrund der enthaltenen W\u00f6rter und ihrer Zusammensetzung konstituieren, und wie gut diese Frage gekl\u00e4rt ist zeigt sich ma\u00dfgeblich daran, ob sich die zwischen S\u00e4tzen bestehenden Folgerungsbeziehungen im Rahmen der Theorie formal nachweisen lassen.<br \/>\nInsofern geht es dann immer um m\u00f6gliche Explikationen dessen, was beobachtbar der Fall ist. Aus \"Hannes ist Junggeselle\" kann ich auf \"Hannes ist unverheiratet\" schlie\u00dfen, aus \"Hannes hat alle Werke von Shakespeare gelesen\" und \"Hamlet ist ein Werk von Shakespeare\" auf \"Hannes hat Hamlet gelesen\". Daf\u00fcr allein braucht man noch keine Theorie. Aufgabe der semantischen Theorie ist es, grammatisch-semantische Analysen der S\u00e4tze anzubieten, auf deren Basis sich diese Folgerungsbeziehungen nachweisen lassen und auf diese Weise das Verst\u00e4ndnis der grammatisch-semantischen Strukturen von Sprachen insgesamt zu erweitern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel entstand urspr\u00fcnglich als Kommentar bei Metalust &#038; Subdiskurse Reloaded. Daher etwas medias in res. 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