{"id":116,"date":"2006-02-22T14:03:05","date_gmt":"2006-02-22T14:03:05","guid":{"rendered":""},"modified":"2010-03-13T14:24:32","modified_gmt":"2010-03-13T13:24:32","slug":"stadelmeier-gibt-das-vergewaltigungsopfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mentalschnupfen.org\/?p=116","title":{"rendered":"Stadelmeier gibt das Vergewaltigungsopfer"},"content":{"rendered":"<p>Gerhard Stadelmeier, ein Kulturkritiker der FAZ, gibt in der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> Folgendes zu Protokoll:<\/p>\n<p><cite>SZ: Der Vorfall scheint Ihnen sehr zugesetzt zu haben. <br \/>\nGerhard Stadelmaier: Es ist, als sei jemand in Ihre Wohnung eingebrochen. Ihre Briefe und Kleider sind durchw\u00fchlt, die W\u00e4nde beschmutzt. Der materielle Schaden h\u00e4lt sich in Grenzen, aber der immaterielle Schaden, das Gef\u00fchl des Ausgeliefert-Seins, ist enorm. Ich habe mich noch nie so gedem\u00fctigt gef\u00fchlt.<\/cite><br \/>\n[<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/,kulm3\/kultur\/artikel\/568\/70498\/\">SZ<\/a> via <a href=\"http:\/\/blog.handelsblatt.de\/indiskretion\/eintrag.php?id=585\">Indiskretion Ehrensache<\/a>]<\/p>\n<p>\"Was ist denn da wohl vorgefallen?\" Ist man geneigt zu fragen. Hat man Herrn Stadelmeier:<\/p>\n<p>a) Auf offener Stra\u00dfe seiner Krawattennadel beraubt?<\/p>\n<p>b) Auf offener Stra\u00dfe unsittlich penetriert?<\/p>\n<p>c) Im Theater seinen Notizblock weggenommen?<\/p>\n<p>\nDa kommt nat\u00fcrlich nur c) infrage:<\/p>\n<p><cite>Bei der Premiere im Werkraumtheater der St\u00e4dtischen B\u00fchnen wurde das St\u00fcck &#8222;Das gro\u00dfe Massakerspiel oder Triumph des Todes&#8220; von Eug\u00e9ne Ionesco aufgef\u00fchrt. Theaterkritiker Stadelmaier hatte sich nach eigener Darstellung w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung kurz mit einem Kollegen unterhalten und dabei leise gelacht. Daraufhin habe ihn der Schauspieler angesprochen und ihm nach einem kurzen Wortgefecht mit den Worten &#8222;Mal sehen, was der Kerl geschrieben hat&#8220; seinen Block entrissen. Lawinky habe aber anscheinend seine Schrift nicht lesen k\u00f6nnen und ihm den Block wieder gegeben. Er -Stadelmaier - sei daraufhin gegangen. Der Schauspieler habe ihm Beleidigungen hinterher gerufen.<\/cite><br \/>\n[DPA via <a href=\"http:\/\/blog.handelsblatt.de\/indiskretion\/eintrag.php?id=585\">Indiskretion Ehrensache<\/a>]<\/p>\n<p>\"Ja fein\", ist man da geneigt zu rufen, \"das ist doch toll, wenn im Theater mal sowas passiert\", und allerlei theaterwissenschaftliche Rechtfertigungen daf\u00fcr anzuf\u00fchren, was hier unterbleiben soll, denn immerhin hat Stadelmeier der Vorfall \"ganz sch\u00f6n weh getan\".<br \/>\nUm seinem tiefen Schmerz auch angemessen Nachdruck zu verleihen, stellt Stadelmeier sein privates Ausgeliefertsein aber auch noch als Penetration der Pressefreiheit dar, denn: \"Wenn man mir meinen Notizblock entrei\u00dft, nimmt man mir nicht nur das Handwerkszeug, sondern man macht es mir unm\u00f6glich, \u00fcber den Abend zu schreiben.\"<br \/>\nAber, lieber Herr Stadelmeier, so wie es gelaufen ist k\u00f6nnen sie \u00fcber den Abend sogar der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> ein Interview erteilen und einen Schauspieler als Schwerverbrecher darstellen! Was k\u00f6nnte ein Kritiker denn jemals mehr wollen?<\/p>\n<p>Satisfaktion!<\/p>\n<p><cite>SZ: Nicht nur Frau Schweeger [die Intendantin des Frankfurter Schauspiels], auch Lawinky hat sich bei Ihnen entschuldigt. Ist das nicht Satisfaktion genug? <\/p>\n<p>Stadelmaier: Er hat sich entschuldigt, akzeptiere ich. Aber wenn ich jemanden umbringe und mich hinterher entschuldige, komme ich trotzdem ins Gef\u00e4ngnis. So ist das Gesetz. Ich habe die K\u00fcndigung nicht gefordert. Es ist eine Entscheidung des Hauses, die ich allerdings begr\u00fc\u00dfe. Der Vorfall ist eine Ungeheuerlichkeit und verletzt den Grundlagenvertrag des Theaters. Frau Schweeger sieht das genau so. Sie hat den Schauspieler ja nicht auf meinen Druck hin entlassen.<\/cite><\/p>\n<p>Hauptsache, der gemeine Kerl ist <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/kulturnachrichten\/200602201800\/2\">weit, weit weg von Frankfurt<\/a>. Bevor der noch wenn umbringt, man kann ja nie wissen, unberechenbar, diese Theaternarren!<\/p>\n<p>Was kann man aus der Geschichte lernen? Zum einen, da\u00df es inzwischen schon n\u00f6tig ist, Kritiker k\u00f6rperlich anzugehen, um einen 'Theaterskandal' zu erzeugen. Zum anderen, da\u00df sich ein alter Hut neu best\u00e4tigt, n\u00e4mlich: Da\u00df Kritiker meist das kritisieren, woran sie selbst gescheitert sind, Kunst, Musik, Theater etc.; und da\u00df Gerhard Stadelmeier jetzt etwas nachgeholt und die Gelegenheit wahrgenommen hat, die Rolle seines Lebens zu spielen.<\/p>\n<p>\"<a href=\"http:\/\/blog.handelsblatt.de\/indiskretion\/eintrag.php?id=585\">Mann oder FAZ-Feuilletonist<\/a>?\" fragt Thomas Kn\u00fcwer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Stadelmeier, ein Kulturkritiker der FAZ, gibt in der S\u00fcddeutschen Folgendes zu Protokoll: SZ: Der Vorfall scheint Ihnen sehr zugesetzt zu haben. 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