{"id":107,"date":"2006-02-11T17:54:22","date_gmt":"2006-02-11T17:54:22","guid":{"rendered":""},"modified":"2010-03-13T14:24:32","modified_gmt":"2010-03-13T13:24:32","slug":"ralfi-und-die-religionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mentalschnupfen.org\/?p=107","title":{"rendered":"Ralfi und die Religionen"},"content":{"rendered":"<p>Ralfi von <a href=\"http:\/\/www.neun12.de\">Tom's Diner<\/a> ist sauer. Er befindet sich in einem Zustand starker Erregung \u00fcber unser Islambild, obwohl wir ihm nie auch nur ansatzweise unser Islambild vorgestellt haben. \u00dcberhaupt hat er in seinem heiligen Zorn etwas die Kontrolle verloren; die letzte Antwort, die wir von ihm erhalten haben, setzt sich zusammen aus falschen Behauptungen, geistreichen Widerlegungen von Aussagen, die wir nie gemacht haben und w\u00fcsten Beleidigungen.<br \/>\nAlles in allem k\u00f6nnte man sagen: Recht putzig und nicht weiter beachtenswert. Dennoch sehen wir uns gen\u00f6tigt, noch einmal knapp auf Ralfis Anschuldigungen einzugehen und Stellung zu beziehen, damit niemand auf die falsche Idee verf\u00e4llt, Ralfi h\u00e4tte auch nur im Ansatz recht.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Ausgangspunkt des Streites war, da\u00df wir <a href=\"http:\/\/mentalschnupfen.org\/item\/102\">hier<\/a> einen kurzen Beitrag ver\u00f6ffentlicht hatten, der sich auf eine von Ralfi ver\u00f6ffentlichte <a href=\"http:\/\/www.neun12.de\/2006\/02\/06\/islam-boese-logisch\/#comment-322\">Reaktion auf eine Aussage von Ralph Giordano<\/a> bezog. Anders als Ralfi das offenbar verstanden hat, haben wir zu der Aussage Giordanos keinerlei Stellung bezogen, sondern lediglich zu Ralfis Reaktion. Die Ansicht, da\u00df Frauen, denen in etlichen islamischen L\u00e4ndern die Steinigung als Strafe f\u00fcr Vergehen wie Ehebruch droht, mit ihrer Position in diesen Gesellschaften vielleicht gar nicht unzufrieden <s>sein m\u00fc\u00dften<\/s> seien, war uns bedenklich erschienen, und allein darauf hatten wir uns bezogen. Wir hatten also in keiner Weise Giordano beigepflichtet oder widersprochen, der von islamischer Seite mehr Kritik an diesen Zust\u00e4nden gefordert hatte.<br \/>\nWie dem auch sei: Bei Ralfi setzte sofort die Emp\u00f6rung ein, denn als Advokat eines Rechtes auf Steinigung wollte er nun wirklich nicht gelten, wiewohl man seine Aussage durchaus dahingehend interpretieren konnte. In den Kommentaren zu <i>Das Recht auf Steinigung<\/i> reagierte er also so:<\/p>\n<p><cite>Euer Bild vom Islam m\u00f6chte ich nicht haben Anscheinend habt ihr immer noch das Bild vom Mustafa im Kopf der jederzeit seine Aische verpr\u00fcgeln darf.<\/p>\n<p>Wenn du in der T\u00fcrkei (islamischer Staat!) eine Frau steinigst, dann d\u00fcrfte das so uziemlich das letzte gewesen sein was du in deinem Leben gemacht hast.<\/cite><\/p>\n<p>Dabei f\u00e4llt nat\u00fcrlich einiges auf: Ralfi greift unser \"Bild vom Islam\" an, ohne da\u00df wir je etwas \u00fcber unser \"Bild vom Islam\" geschrieben h\u00e4tten, und er spekuliert \u00fcber Bilder in unserem Kopf; Ralfi macht klar, da\u00df Steinigung in der T\u00fcrkei nicht als Strafe zum Einsatz kommt; Ralfi deutet an, da\u00df Steinigen in der T\u00fcrkei mit dem Tode bestraft wird.<br \/>\nEigentlich hatten wir alles, das es dazu zu sagen gab, bereits in unserer Antwort in den Kommentaren dargelegt; da\u00df wir die T\u00fcrkei nicht als gutes Beispiel betrachten; da\u00df uns bewu\u00dft ist, da\u00df Steinigung vom Koran nicht als Strafe f\u00fcr Ehebruch vorgesehen wird, sondern 100 Schl\u00e4ge - offenbar f\u00fcr au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehr jeder Art; und, da\u00df es durchaus m\u00f6glich ist, sich von den Strafbemessungen, die die jeweilige heilige Schrift vorschreibt, zu entfernen - nach unten oder nach oben.<br \/>\nDamit h\u00e4tte alles klar sein sollen. Ralfi jedoch hat unseren Kommentar entweder nicht gelesen, oder er hat ihn nicht verstanden, wie man in den Kommentaren zu seinem Artikel <a href=\"http:\/\/www.neun12.de\/2006\/02\/08\/der-islam-das-unbekannte-wesen\/#comments\"><i>Der Islam, das unbekannte Wesen<\/i><\/a> nachvollziehen kann. Dieser Artikel selbst wird hier au\u00dfenvor bleiben, weil er bereits vor unserem klarstellenden Kommentar erschienen war. Wir werden uns hier ausschlie\u00dflich auf <a href=\"http:\/\/www.neun12.de\/2006\/02\/08\/der-islam-das-unbekannte-wesen\/#comment-337\">Ralfis letzten Kommentar zu ebendiesem Artikel<\/a> beziehen und auch die vorhergehenden Kommentare unbetrachtet lassen.<br \/>\nZwischenzeitlich waren wir \u00fcbrigens von Ralfis WordPress als Spammer markiert worden, was von uns zun\u00e4chst f\u00fcr ein Zeichen praktizierter Toleranz gehalten wurde, aber offenbar ein Versehen war:<\/p>\n<p>Ralfi:<\/p>\n<p><cite>Spam Karma ist der Meinung das deine Kommentare ein negatives Karma (-8.5 bzw -12.5!) haben. Dem kann ich mich nur anschlie\u00dfen.<\/cite><\/p>\n<p>Gut. Nach eingehender Beratung mit seinen WordPress-Plugins hatte sich Ralfi entschieden, uns zu antworten. Die Antwort beweist, da\u00df er auf eine vorherige Auseinandersetzung mit unseren Aussagen, den Fakten und der Logik verzichtet hatte und stattdessen eher intuitiv vorgegangen war, wobei ihn seine Intuition in skandal\u00f6ser Weise im Stich lies:<\/p>\n<p><cite>Wenn die Rolle der Frau in der Gesellschaft vom Glauben abh\u00e4ngig ist, dann m\u00fcssten in Amerika genauso oft Frauen gesteinigt werden. Ebenso in Berlin, Duisburg oder auf den Phillipinen. In China oder Japan werden auch keine Frauen gesteinigt. Ebensowenig in Thailand, Tibet oder Indien. Komischwerweise sind dies aber alles L\u00e4nder in denen die Bev\u00f6lkerung zum gro\u00dfen Teil dem Islam angeh\u00f6ren.<\/cite><\/p>\n<p>Man f\u00fchre sich bitte nochmals vor Augen, worum es hier eigentlich geht: Ralfi hatte angedeutet, da\u00df Frauen in islamischen L\u00e4ndern m\u00f6glicherweise mit ihrer gesellschaftlichen Rolle gar nicht unzufrieden seien, woraufhin wir das Recht auf Steinigung ins Feld gef\u00fchrt hatten. Da\u00df wir, wenn wir das Recht auf Steinigung betonen, uns nur auf solche L\u00e4nder beziehen, in denen Steinigungen auch durchgef\u00fchrt werden, hatten wir f\u00fcr nicht weiter erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig gehalten, was offenbar ein Fehler war. Da\u00df wir nie behauptet hatten, da\u00df alle Muslime notorische Steiniger seien, da\u00df sie also st\u00e4ndig das dringende Bed\u00fcrfnis h\u00e4tten, zu steinigen, und das v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von Kultur und Rechtssystem des Landes in dem sie aufgewachsen sind und wohnen auch t\u00e4ten, d\u00fcrfte jedem klar sein, der unsere Einlassungen gelesen hat. Nur Ralfi nicht.<br \/>\nAls N\u00e4chstes erl\u00e4utert er uns den Unterschied zwischen Religion und Kultur:<\/p>\n<p><cite>Ist schon schwer zwei Sachen wie Kultur und Religion auseinander zu halten, gell !?<br \/>\nIn der Arabischen Kultur, die auch L\u00e4nder wie Spanien und den Ural beeinflusst hat, werden Frauen bei Ehebruch gesteinigt. Das hat aber nichts mit dem Islam zu tun. Genauso gut k\u00f6nnte man behaupten das Teetrinken seine Wurzeln im Islam h\u00e4tte. Und das alle Moslems ausschlie\u00dflich Tee trinken.<\/cite><\/p>\n<p>So ist das also; was Wei\u00dfw\u00fcrste und Wei\u00dfbier f\u00fcr den Bayern sind, da\u00df ist die Steinigung f\u00fcr den Araber, der auch die Kultur von Nigeria ma\u00dfgeblich beeinflu\u00dft hat. Und wir wissen jetzt auch, wie die zahlreichen F\u00e4lle von Steinigungen in Spanien zu erkl\u00e4ren sind.<\/p>\n<p>Um Ralfi besser zu verstehen kann es n\u00fctzlich sein, sich sein Bild von Religionen im Allgemeinen vor Augen zu f\u00fchren. F\u00fcr Ralfi sind Religionen n\u00e4mlich offenbar monolithische Gebilde, die ausschlie\u00dflich durch ihre heiligen Schriften gepr\u00e4gt werden. Was 'eine Religion' vorsieht und was nicht, kann man dann z.B. durch Volltextsuche in einer digitalisierten heiligen Schrift bestimmen: \"4 Treffer f\u00fcr 'steinigen'\", aber keiner davon eine Aufforderung - wunderbar! \"26 Treffer f\u00fcr 'steinigen'\", einige davon Aufforderungen - bedenklich! Wenn man mit dieser Denkweise erst einmal vertraut ist, erkl\u00e4rt sich auch schnell, warum <a href=\"http:\/\/weblog.plasticthinking.org\/item\/2006\/2\/3\/pressefreiheit#11733\">Ralfi meint, da\u00df das Amt des Papstes und das Unfehlbarkeitsdogma bereits in der Bibel auftauchen<\/a> - andernfalls w\u00e4ren sie ja nicht Teil der Religion. Und entsprechend mu\u00df dann auch das Steinigen ein integraler Bestandteil der j\u00fcdischen wie der christlichen Religion sein, denn in der Bibel ist es ja vorgesehen. Ralfi: \"In der Bibel steht geschrieben das Maria Magdalena <b>gesteinigt<\/b> werden sollte.\" Wir wissen nicht, aus welchem Comic er das genau hat, aber im Prinzip liegt er zun\u00e4chst einmal richtig - was allerdings auch von uns im dritten Kommentar zu <i>Das Recht auf Steinigung<\/i> bereits angemerkt wurde: Wenn auch nirgendwo in der Bibel geschrieben steht, da\u00df Maria Magdalena gesteinigt werden sollte, so ist die Steinigung als Strafe im alten Testament doch vorgesehen und wurde auch zur Zeit Jesu noch flei\u00dfig angewandt. 1:0 f\u00fcr Ralfi?<br \/>\nNicht ganz. Die j\u00fcdische und christliche Tradition - wenn man so will: Kultur - hat sich n\u00e4mlich inzwischen von dieser Strafe, ganz gleich, ob in der Bibel vorgesehen oder nicht, verabschiedet, genau wie weitestgehend auch die 'islamische Kultur'. Wenn man bereit ist, den Begriff 'Religion' etwas \u00fcber die Volltextsuche in <s>religi\u00f6sen Texten<\/s> heiligen Schriften hinaus auszudehnen und zu schauen, wie eine Religion praktiziert wird, wird man feststellen, da\u00df sich diese Religionen in diesem Punkt ge\u00e4ndert haben, weil sie nicht mehr alle Vorschriften w\u00f6rtlich nehmen und eins-zu-eins umsetzen; Kultur und Religion sind dabei auch nicht vollst\u00e4ndig voneinander zu trennen. Wenn man aber F\u00e4lle betrachtet, in denen Frauen zum Tod durch Steinigung verurteilt wurden, so stellt man fest, da\u00df diese Urteile stets - oder doch zumindest meistens - durch Gerichtsh\u00f6fe gef\u00e4llt wurden, die als rechtliche Grundlage die Scharia verwenden. Die Scharia basiert dabei auch, aber nicht ausschlie\u00dflich auf dem Koran, sondern ebenfalls auf den Ahadith, den islamischen \u00dcberlieferungen; Berichten \u00fcber Spr\u00fcche und Verhalten Mohammeds, die im Islam eine wichtige Rolle spielen und nicht einfach au\u00dfenvor gelassen werden k\u00f6nnen. Sie sind nicht so zentral wie der Koran, aber noch immer wichtig. Und in diesen Schriften finden sich durchaus auch Steinigungsvorschriften.<\/p>\n<p>Es sollte dabei klar bleiben: Selbstverst\u00e4ndlich wenden nicht alle islamischen Staaten die Scharia an; nicht alle Staaten, in denen die Scharia angewandt wird, verh\u00e4ngen Steinigungsurteile, denn auch die Scharia ist kein eindeutig kodifizierter, monolithischer Block und kommt auch nicht immer vollst\u00e4ndig zum Einsatz. Wo aber Steinigungsurteile verh\u00e4ngt werden, zeichnen daf\u00fcr in der Regel Scharia-Gerichte verantwortlich, die sich nicht auf arabische Kulturwerte, sondern auf islamische Schriften berufen. Diese Urteile werden dort also im Namen des Islam gef\u00e4llt, was nat\u00fcrlich nicht hei\u00dft, da\u00df sie damit automatisch im Sinne aller Muslime w\u00e4ren. So wie sich Judentum und Christentum von dieser Strafe verabschiedet haben, wird sie heute auch vom gr\u00f6\u00dften Teil der Muslime abgelehnt. Jegliche Art von Verbindung zwischen bestimmten Auslegungen des islamischen Rechtes - aufgrund islamischer Schriften - und Steinigungsurteilen abzustreiten, ist allerdings nachweislich falsch und nicht dazu geeignet, die Auseinandersetzung mit diesem Thema in sinnvoller Weise zu beeinflussen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ralfi von Tom's Diner ist sauer. 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