24/09/08: Left Dislocation
Ein Eintrag von Mark Liberman im Language Log erinnert mich an ein kurzes Gedicht, daß ich dereinst ersann, um damit Freunde per SMS zu nerven (es gibt dazu auch eine ausgesprochen dämliche Melodie):
Naja. Ein lehrbuchartiges Beispiel für Kohärenz, immerhin.
Mother took me to the show;
The show, it made my pimples grow;
My pimples, they would start to shatter
And fill the theater with matter.
Naja. Ein lehrbuchartiges Beispiel für Kohärenz, immerhin.
04/09/08: Une question
Nachgetragene Anmerkung, 21.33: Kommentarfunktion für diesen Beitrag jetzt aktiviert...
Leider ist mein Französisch ganz schlecht (wenn man welches als vorhanden voraussetzt) und noch leidigererweise kenne ich kaum Muttersprachler des Französischen oder auch nur halbwegs firme deutsche Sprecher. Deshalb gehe ich mit dieser Frage jetzt mal an die Öffentlichkeit:
Es gibt im Französischen die 'komplexen Artikel' un certain und un quelconque bzw. un ... quelconque. Ersterer heißt soviel wie ein bestimmter, die beiden letzteren so viel wie irgendein. Im deutschen sind bestimmt und irgendein in gewissen Fällen kombinierbar. Ziemlich gut geht das immer in Kontexten, in denen sich sogenannte negative polarity items herumtreiben können, wie z.B. jemals. Natürlich negierte Kontexte, aber auch Fragen sowie wenn- und falls-Sätze (das sind auch noch nicht alle):
(1) a. Du solltest in solchen Gesellschaften nie auf irgendeinem bestimmten Lied bestehen.
b. Wünschst Du Dir irgendein bestimmtes Lied?
c. Falls jemand irgendein bestimmtes Lied wünscht, soll er sich jetzt melden
Gelegentlich finde ich die Konstruktion aber auch in Fällen halbwegs akzeptabel, in denen sie sich nicht in einer solchen Umgebung befindet. Allerdings finde ich sie dort meist nicht ganz so zweifelsfrei gut, wie in (1), vergleiche (2).
(2) ? Karl soll heute abend irgendein bestimmtes Lied singen (seine Eltern wollen das so)
("?" bedeutet, daß ich den Satz nicht voll akzeptabel finde.)
Meine Frage wäre nun, ob es sich im Französischen ähnlich verhält, ob also auch dort - und sei es nur unter bestimmten Umständen - eine Konstruktion der Art une certaine fille quelconque möglich ist.
Leider ist mein Französisch ganz schlecht (wenn man welches als vorhanden voraussetzt) und noch leidigererweise kenne ich kaum Muttersprachler des Französischen oder auch nur halbwegs firme deutsche Sprecher. Deshalb gehe ich mit dieser Frage jetzt mal an die Öffentlichkeit:
Es gibt im Französischen die 'komplexen Artikel' un certain und un quelconque bzw. un ... quelconque. Ersterer heißt soviel wie ein bestimmter, die beiden letzteren so viel wie irgendein. Im deutschen sind bestimmt und irgendein in gewissen Fällen kombinierbar. Ziemlich gut geht das immer in Kontexten, in denen sich sogenannte negative polarity items herumtreiben können, wie z.B. jemals. Natürlich negierte Kontexte, aber auch Fragen sowie wenn- und falls-Sätze (das sind auch noch nicht alle):
(1) a. Du solltest in solchen Gesellschaften nie auf irgendeinem bestimmten Lied bestehen.
b. Wünschst Du Dir irgendein bestimmtes Lied?
c. Falls jemand irgendein bestimmtes Lied wünscht, soll er sich jetzt melden
Gelegentlich finde ich die Konstruktion aber auch in Fällen halbwegs akzeptabel, in denen sie sich nicht in einer solchen Umgebung befindet. Allerdings finde ich sie dort meist nicht ganz so zweifelsfrei gut, wie in (1), vergleiche (2).
(2) ? Karl soll heute abend irgendein bestimmtes Lied singen (seine Eltern wollen das so)
("?" bedeutet, daß ich den Satz nicht voll akzeptabel finde.)
Meine Frage wäre nun, ob es sich im Französischen ähnlich verhält, ob also auch dort - und sei es nur unter bestimmten Umständen - eine Konstruktion der Art une certaine fille quelconque möglich ist.
03/03/08: The Next Noam Chomsky
Universalgrammatische Phänomene. Verfolgen Sie in den nächsten Wochen die Suche des berühmtesten Mentalisten der Welt nach seinem Nachfolger. Hören Sie den Meister selbst die syntaktischen Analysen der jungen Kandidaten bewerten, preisen und ablehnen, und erfreuen Sie sich an seinen Kritiken, auch bis hin zum venichtendsten denkbaren Urteil: Nicht generativ! Exklusiv auf 3sat.
22/11/07: Nochmal Datenerhebung
Schon wieder muß ich den Leser mit einer Frage nerven: Stimmen meine Intuitionen hier halbwegs?
(1) ? Daß ich beeindruckt von dir immer schon war, sollte dir eigentlich bekannt sein
(2) ?? Daß ich von dir beeindruckt immer schon war, sollte dir eigentlich bekannt sein
(3) * Daß die Tür von dir geöffnet längst sein sollte, ist dir hoffentlich klar
(4) * Daß die Tür geöffnet von dir längst sein sollte, ist dir hoffentlich klar
* bedeutet "absolut daneben", ? bedeutet seltsam, aber denkbar, ?? bedeutet ziemlich seltsam.
(1) ? Daß ich beeindruckt von dir immer schon war, sollte dir eigentlich bekannt sein
(2) ?? Daß ich von dir beeindruckt immer schon war, sollte dir eigentlich bekannt sein
(3) * Daß die Tür von dir geöffnet längst sein sollte, ist dir hoffentlich klar
(4) * Daß die Tür geöffnet von dir längst sein sollte, ist dir hoffentlich klar
* bedeutet "absolut daneben", ? bedeutet seltsam, aber denkbar, ?? bedeutet ziemlich seltsam.
Hier hatte ich nach Grammatikalitätseinschätzungen einiger Sätze gefragt, die aber ziemlich kurz und ohne jeden Kontext dahingerotzt waren. Darum habe ich hier noch ein paar und wiederhole meine Frage: Wie sind die Sätze? Sind sie in Ordnung, schräg oder gänzlich unmöglich?
(1) Man hatte uns zwar gesagt, daß es den Yeti gebe, aber wirklich eindringlich gewarnt vor ihm hatte man uns nicht
(2) Kassandra wurde nicht müde, ihre Warnungen an die Troianer zu wiederholen, hören auf sie wollte jedoch niemand
(3) Es wußte wirklich keiner hier, daß du noch kommen würdest; gewartet auf dich hätten wir sonst bestimmt
(4) Wir hatten zwar immer sehr viel Spaß miteinander, aber gelernt von ihm habe ich eher wenig
Nun?
Nachtrag: Ich bitte ausdrücklich um möglichst viele Stellungnahmen. Es braucht dabei auch keinerlei Begründungungen.
(1) Man hatte uns zwar gesagt, daß es den Yeti gebe, aber wirklich eindringlich gewarnt vor ihm hatte man uns nicht
(2) Kassandra wurde nicht müde, ihre Warnungen an die Troianer zu wiederholen, hören auf sie wollte jedoch niemand
(3) Es wußte wirklich keiner hier, daß du noch kommen würdest; gewartet auf dich hätten wir sonst bestimmt
(4) Wir hatten zwar immer sehr viel Spaß miteinander, aber gelernt von ihm habe ich eher wenig
Nun?
Nachtrag: Ich bitte ausdrücklich um möglichst viele Stellungnahmen. Es braucht dabei auch keinerlei Begründungungen.
02/11/07: Muttersprachler gesucht
Ich bitte um Bewertungen der folgenden Sätze; nicht unbedingt als Schriftdeutsch betrachtet. Die Frage ist: Sind sie möglich oder nicht?
(1) Gehört auf mich hat er eigentlich nie
(2) Gehört auf mich wurde eigentlich nie
(3) Warten auf dich werden wir nicht können
(4) Gedacht an dich habe ich jeden Tag
Meinungen bitte in den Kommentaren. Bitte flott, habe nicht ewig Zeit. Hehehe...
(1) Gehört auf mich hat er eigentlich nie
(2) Gehört auf mich wurde eigentlich nie
(3) Warten auf dich werden wir nicht können
(4) Gedacht an dich habe ich jeden Tag
Meinungen bitte in den Kommentaren. Bitte flott, habe nicht ewig Zeit. Hehehe...
20/09/07: Interdisziplinäre Forschung
Erst entschlüsseln Evolutionsbiologen die Entstehungsgeschichte der unterschiedlichen Versionen der Canterbury Tales und jetzt das.
In der Regel gilt: Wer ganz genau zu wissen meint, welche Art von Forschung wofür nützlich sein wird, ist ein Hochstapler oder ein Idiot; oder er hat einfach keinerlei Ahnung von Wissenschaft. Das hier ist die Wirklichkeit, nicht Civilization.
In der Regel gilt: Wer ganz genau zu wissen meint, welche Art von Forschung wofür nützlich sein wird, ist ein Hochstapler oder ein Idiot; oder er hat einfach keinerlei Ahnung von Wissenschaft. Das hier ist die Wirklichkeit, nicht Civilization.
25/08/07: Die Erfindung (oder Entdeckung) der Spur
In der Theorie der Syntax natürlicher Sprachen ist das Konzept der Spuren sehr verbreitet. Spuren bleiben bei der Extraktion von Konstituenten an deren 'angestammter' Stelle zurück und stehen in einer bestimmten Beziehung zur extrahierten Konstituente (in der Head-Driven Phrase Structure Grammar haben sie z.B. üblicherweise denselben LOCAL-Wert).
(1) Denkst Du ernsthaft, daß Margot [diesen Kerl] abschleppen würde?
(2) [Diesen Kerl]' denkst Du ernsthaft, daß Margot t' abschleppen würde?
(1) ist ein Satz ohne Extaktion. Im entsprechenden Satz (2), mit Extraktion, wird die Beziehung zwischen extrahierter Konstituente ("Diesen Kerl") und der Spur (t) durch den Apostroph angezeigt.
Durch Spuren lassen sich Sätze mit Extraktion unter anderem weitgehend parallel zu solchen ohne Extraktion behandeln - das LOCAL-Attribut eines Zeichens in der HPSG beinhaltet beispielsweise alle kategoriellen und semantischen Eigenschaften des Zeichens, und da es bei Spur und extrahierter Konstituente identisch ist, stehen diese dann an der Extraktionsstelle zur Verfügung.
Das erste Mal zur Anwendung gebracht wurde die Spur-Idee, Wenn Prof. Dowty recht hat, in S. W. Clarks A Practical Grammar: in which Words, Phrases, and Sentences are Classified According to their Offices, and their Relation to Each Other. Illustrated by a Complete System of Diagrams, New York: A. S. Barnes & Company. Erste Auflage 1847. Hier ein Diagramm aus der 6. Auflage von 1853, mit einem schönen Beispielsatz:

Die Spur ist das Kreuz hinter "can have".
(1) Denkst Du ernsthaft, daß Margot [diesen Kerl] abschleppen würde?
(2) [Diesen Kerl]' denkst Du ernsthaft, daß Margot t' abschleppen würde?
(1) ist ein Satz ohne Extaktion. Im entsprechenden Satz (2), mit Extraktion, wird die Beziehung zwischen extrahierter Konstituente ("Diesen Kerl") und der Spur (t) durch den Apostroph angezeigt.
Durch Spuren lassen sich Sätze mit Extraktion unter anderem weitgehend parallel zu solchen ohne Extraktion behandeln - das LOCAL-Attribut eines Zeichens in der HPSG beinhaltet beispielsweise alle kategoriellen und semantischen Eigenschaften des Zeichens, und da es bei Spur und extrahierter Konstituente identisch ist, stehen diese dann an der Extraktionsstelle zur Verfügung.
Das erste Mal zur Anwendung gebracht wurde die Spur-Idee, Wenn Prof. Dowty recht hat, in S. W. Clarks A Practical Grammar: in which Words, Phrases, and Sentences are Classified According to their Offices, and their Relation to Each Other. Illustrated by a Complete System of Diagrams, New York: A. S. Barnes & Company. Erste Auflage 1847. Hier ein Diagramm aus der 6. Auflage von 1853, mit einem schönen Beispielsatz:

Die Spur ist das Kreuz hinter "can have".
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