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Archive für August 2007
kategorie: linguistik
geschrieben von: hllizi
In der Theorie der Syntax natürlicher Sprachen ist das Konzept der Spuren sehr verbreitet. Spuren bleiben bei der Extraktion von Konstituenten an deren 'angestammter' Stelle zurück und stehen in einer bestimmten Beziehung zur extrahierten Konstituente (in der Head-Driven Phrase Structure Grammar haben sie z.B. üblicherweise denselben LOCAL-Wert).

(1) Denkst Du ernsthaft, daß Margot [diesen Kerl] abschleppen würde?
(2) [Diesen Kerl]' denkst Du ernsthaft, daß Margot t' abschleppen würde?

(1) ist ein Satz ohne Extaktion. Im entsprechenden Satz (2), mit Extraktion, wird die Beziehung zwischen extrahierter Konstituente ("Diesen Kerl") und der Spur (t) durch den Apostroph angezeigt.

Durch Spuren lassen sich Sätze mit Extraktion unter anderem weitgehend parallel zu solchen ohne Extraktion behandeln - das LOCAL-Attribut eines Zeichens in der HPSG beinhaltet beispielsweise alle kategoriellen und semantischen Eigenschaften des Zeichens, und da es bei Spur und extrahierter Konstituente identisch ist, stehen diese dann an der Extraktionsstelle zur Verfügung.

Das erste Mal zur Anwendung gebracht wurde die Spur-Idee, Wenn Prof. Dowty recht hat, in S. W. Clarks A Practical Grammar: in which Words, Phrases, and Sentences are Classified According to their Offices, and their Relation to Each Other. Illustrated by a Complete System of Diagrams, New York: A. S. Barnes & Company. Erste Auflage 1847. Hier ein Diagramm aus der 6. Auflage von 1853, mit einem schönen Beispielsatz:

Trace

Die Spur ist das Kreuz hinter "can have".
kategorie: universität
geschrieben von: hllizi
Eine kleine Episode am Rande: In Ländern, in denen es keine Rundfunkgebühren gibt, gibt es erst einmal eine kleine Schwierigkeit, das Kompositum überhaupt zu verstehen. Aber selbst wenn man sich vorstellen kann, für den Besitz eines Rundfunkgerätes abkassiert zu werden, fällt es Studenten aus diesen Ländern immer noch schwer, sich vorzustellen, dass es eine Komission gibt, die sich ausschließlich mit Rundfunkgebühren beschäftigt. Wohl mag es eine Gebührenkommission geben, die sich dann u.a. mit dem Rundfunk beschäftigt. Wenn es also in der betreffenden Sprache den Ausdruck Gebührenkommission gibt, nicht aber den Ausdruck Rundfunkgebühren, wäre dies also wahrscheinlich eine [ rundfunk [ gebührenkommission ]]. Eine [[ rundfunkgebühren ] kommission] scheint dagegen nur einer Bürokratie wie der deutschen möglich! (Man vergl. aber demgegenüber das Schicksal des sog. Kohlepfennigs, für den es möglicherweise auch eine Kohlepfennigkommission gegeben hat, die die Höhe der Abgabe bestimmt hat.)
[Prof. Wolfgang Sternefeld, Kommentare zu einigen Fragen aus Kapitel 1 (seines Syntax-Buches)]
kategorie: netzmagie
geschrieben von: hllizi
Jetzt bin ich mal sehr gespannt, ob ich mir hiermit eine Abmahnung wegen Verbreitung nicht existierender Werbe Drohspots einfange. Von wegen Status und so...

24/08/07: "GEZ-Gebühren"...

kategorie: totalitäres
geschrieben von: hllizi
...würde ich niemals sagen oder schreiben. Ich verwende weder diesen Ausdruck ("GEZ-Gebühren") noch den gesetzlich vorgeschriebenen Ausdruck "gesetzliche Rundfunkgebühren", der mir stets grausam das deutsche Unrechtssystem bewußt macht. Ich sage: Potzscheiß.

Davon abgesehen: "Die GEZ will ihr mieses Image mit allen Mitteln los werden"

Für eine Vereinigung, die ihre "Werbung" vor nicht allzu langer Zeit noch darauf auslegte, möglichst als kriminelle Vereinigung wahrgenommen zu werden (nicht ganz zu unrecht, behaupten böse Zungen) ist das ein ganz erstaunlicher Sinneswandel.

Mit Dank an B.

08/08/07: Naturzerstörung

kategorie: unspezifisches
geschrieben von: hllizi
Kürzlich litt ich wieder an Weisheitsausfluß. Das ist wie ein eiternder Pickel, nur weniger witzig. Ich schrieb da, die Evolutionstheorie finde eine Entsprechung eher in der Geologie als in den Ingenieurwissenschaften.

Das ist noch immer sehr wahr.

Es war da um Homosexualität gegangen. Homosexualität hielt ich eine zeitlang für (natürlich ohne Wertung) unnatürlich. So wie ich es ja auch gewissermaßen für unnatürlich halte, in einer Metallschlange binnen 2h von Frankfurt a. M. nach Stuttgart zu fahren, aber nicht für besonders verwerflich, nicht verwerflicher jedenfalls als mit Messer und Gabel zu essen, was ja auch nicht ganz naturbelassen daherkommt. Gleichzeitig war ich der festen Überzeugung, nichts von Intelligent Design zu halten.

Aber jetzt hatte ich sie plötzlich da, die Natur, die vorgeben mußte, was unnatürlich ist und was nicht. Ihre Adresse hatte ich nicht, konnte somit nicht direkt Kontakt mit ihr aufnehmen und mußte mich also als wertungsfreier Exeget ihres göttlichen Willens betätigen. Da wurde mir dann aber klar: Die Natur muß weg.

Dabei schien doch erst alles so einleuchtend: Sexualität dient der Fortpflanzung, die wiederum ist von der Natur so gewollt, damit sie funktioniert muß man's aber richtig machen, das machen die Homos nicht, also ist das unnatürlich.

Da hat sie also rumgewollt und festgelegt, was richtig und was falsch ist, Mutter Natürchen. Sexualität dient zu etwas, ist also Mittel zum Zweck (Fortpflanzung) und 'die Natur' damit die große, unser aller, Zwecksetzerin.

MomoRules schreibt gelegentlich ganz erhellende Sachen, wenn er den Nietzsche macht* (besonders erhellend ist es ja ohnehin immer, das, was man vor Kurzem noch selbst gedacht hat, von einem anderen formuliert vorzufinden):

Diese Projektion des "Naturzwecks" ist ja genau eine dieser Idiotien, wegen derer ich jetzt aber echt die Schnauze voll habe [...]. Vielleicht ist ja evolutionär Fortpflanzung nur ein Nebeneffekt von Spaß?
[Kommentar bei Metalust & Subdiskurse]

Punkt. Daß die Menschheit so überzeugend gediehen ist, zeigt nichts anderes, als das sie immer genug heterosexuelle Betätigung für die Arterhaltung gab. Mehr nicht. Kein großer Plan, keine über allem waltende 'Natur' und kein Zweck lassen sich daraus herleiten. Über einzelne Individuen erfährt man daraus nichts, oder über deren Natur. Wären von Anfang an alle Menschen homosexuell gewesen, dann gäbe es heute keine Menschheit; na und? Es würde sie wahrscheinlich auch keiner vermissen. Und was ist Arterhaltung überhaupt für ein Lebensinhalt?

Das erstaunliche an der ganzen Chose ist, wie leicht man sich selbst irreführen kann, indem man das eine oder andere Konstrukt erschafft und dann vor sich herträgt wie eine äußerst heilige Monstranz. Die Natur. Mein Designer. Mein Führer.

Deswegen auch die Geologie: Folgt man der Evolutionstheorie konsequent, so unterscheidet sich die Geschichte einer bestimmten Art auf der prinzipiellen Ebene nicht mehr von einem Flußlauf, der nicht irgendwo hin wollte oder gelenkt wurde, sondern der schlicht seinen Weg gegraben hat, wo es eben lang ging. Weiches Gestein. Ausreichend heterosexuelle Aktivität, die häufig da zu finden ist, wo man auch Spaß dran hat. Aber ganz planlos.


*Der Zeitungsleser sagt: diese Partei richtet sich mit einem solchen Fehler zu Grunde. Meine höhere Politik sagt: eine Partei, die solche Fehler macht, ist am Ende [...]. [F. Nietzsche; Götzendämmerung; Die vier grossen Irrthümer, 2]
kategorie: philosophie
geschrieben von: hllizi
Weitgehende Einigkeit wurde darüber erzielt, daß eine Hypothese sich zu bewähren habe, indem sie vernünftiger Kritik standhalte.
Darüber, was vernünftige Kritik sei, konnte indes keine Einigkeit erzielt werden.
kategorie: netzmagie
geschrieben von: hllizi
Weil ich mich einfach nicht dazu durchringen kann, die aktuelle Bayern-Post im Agitpopblog zu lesen (Wahh! Ein langer Artikel über Fußball), tu' ich dem kicker des kleinen Mannes eben einen anderen Gefallen.

04/08/07: Philosophie

kategorie: philosophie
geschrieben von: hllizi
I liked literature, except for the poetry part, and history involved a certain discipline and organization that I'd always found to be elusive," he recalled. "So that left philosophy, which didn't have a lot of facts or results to keep straight. As Hume puts it, any chain of reasoning more than three steps long can be ignored, so I became a philosopher and have been happy ever since.
[John Perry im Rahmen der "What matters to me and why"-Rede in Stanford]
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